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Altbau-Check mit Zukunft: So prüfen Sie Ihre Elektroinstallation sicher und zuverlässig

Warum ein Altbau-Check heute wichtiger ist denn je

Altbauten in Deutschland und Österreich stehen für hohe Decken, Stuck, Dielenboden – und oft für Elektroinstallationen, die über Jahrzehnte schrittweise „mitgewachsen“ sind. Genau das ist das Problem: Eine Anlage kann äußerlich funktionieren, während im Inneren Überlastung, mangelnder Schutz oder veraltete Leitungen schlummern. Gleichzeitig steigen die Anforderungen:

  • Mehr Leistung durch moderne Haushaltsgeräte, Gaming-PCs, Klimageräte oder Induktionsfelder
  • Neue Dauerlasten wie Wärmepumpen, elektrische Boiler, Server/NAS im Homeoffice
  • Neue Infrastruktur für PV-Anlagen, Speicher, Wallboxen oder Smart-Home-Komponenten
  • Höhere Sicherheitsansprüche (FI/RCD, Überspannungsschutz, Brandschutz)

Ein systematischer Check schafft Klarheit: Wo besteht akute Gefahr, wo ist nur ein Komfortproblem – und welche Maßnahmen sind die besten Investitionen für die nächsten 10–20 Jahre?

Bevor Sie starten: Sicherheit, Verantwortung und rechtliche Rahmenbedingungen

Bei der Prüfung einer elektrischen Anlage gilt: Beobachten, dokumentieren, fachgerecht messen lassen. Viele Dinge können Sie als Eigentümer:in oder Mieter:in einschätzen – aber Messungen an spannungsführenden Teilen, Arbeiten im Verteilerkasten oder das Öffnen von Geräten gehören in die Hände einer Elektrofachkraft.

Was Sie selbst tun dürfen – und was nicht

  • Erlaubt/ sinnvoll: Sichtprüfungen, Test der FI-Taste (wenn vorhanden), Dokumentation von Auffälligkeiten, Erkennen von typischen Altbau-Merkmalen, Steckdosen-/Schalter-Funktion prüfen, Lastprobleme im Alltag beobachten.
  • Nicht selbst durchführen: Verteiler öffnen, Sicherungen/Leitungsschutzschalter tauschen, Brücken setzen, Leitungen neu anschließen, Messungen mit Multimeter an offenen Klemmen, „Prüfen“, ob ein Leiter spannungsfrei ist (ohne geeignete Ausrüstung und Kenntnisse).

In Deutschland und Österreich sind Arbeiten an der elektrischen Anlage in der Regel Fachbetrieben vorbehalten – insbesondere am Zählerplatz, an Hauptleitungen und Schutzorganen. Bei Unsicherheiten gilt: Lieber einmal zu früh den Elektriker rufen als einmal zu spät.

Normen & Praxis: Worauf Elektriker:innen sich beziehen

Im Alltag spielen u. a. diese Regelwerke eine Rolle:

  • Deutschland: DIN VDE-Normen (z. B. Schutzmaßnahmen, RCD, Überspannungsschutz)
  • Österreich: ÖVE/ÖNORM (u. a. Errichtung und Prüfung elektrischer Anlagen)

Wichtig: Nicht jede ältere Anlage ist automatisch „illegal“. Aber: Wenn eine Anlage gefährlich ist oder erweitert wird, sind Anpassungen an den Stand der Technik oft unumgänglich. Genau hier hilft eine professionelle Anlagenprüfung (E-Check/Prüfbefund) mit Messprotokoll.

Typische Altbau-Installationen: Diese „Zeitstempel“ sollten Sie kennen

Bevor Sie Ihre Elektroinstallation im Altbau prüfen, hilft es, typische Baujahrsignaturen zu erkennen. Viele Risiken entstehen nicht durch „Altbau“ an sich, sondern durch bestimmte Installationsarten und Materialkombinationen.

Häufige Merkmale in Altbauten

  • Schraubsicherungen (Diazed/Neozed) statt moderner Leitungsschutzschalter
  • Fehlender FI/RCD oder nur für einzelne Stromkreise
  • Zweidraht-System (ohne separaten Schutzleiter/PE) in Teilen der Wohnung
  • Stoff- oder Gummi-isolierte Leitungen (spröde, rissig, überaltert)
  • Aluminiumleitungen (je nach Ausführung und Klemmen problematisch)
  • Aufputz- oder Mischinstallationen mit nachträglich ergänzten Leitungen
  • Zu wenige Steckdosen → viele Mehrfachsteckdosen/Verlängerungen

Warum „funktioniert doch“ kein Sicherheitsnachweis ist

Elektrische Risiken sind oft schleichend: lockere Klemmen führen zu Wärme, Wärme beschleunigt Alterung, Alterung erhöht Übergangswiderstand – ein Kreislauf, der im schlimmsten Fall zum Brand führt. Auch ein fehlender Schutzleiter fällt im Alltag selten auf, wird aber im Fehlerfall lebensgefährlich.

Der strukturierte Prüfplan: So gehen Sie Schritt für Schritt vor

Der beste Weg ist ein Mix aus Dokumentation, Sichtprüfung, Funktionschecks und anschließend fachlicher Messung. So entsteht ein klares Bild, ohne dass Sie riskante Arbeiten durchführen.

Schritt 1: Bestandsaufnahme – Unterlagen, Baujahr, Umbauten

Sammeln Sie alles, was Hinweise liefert:

  • Grundrisse, Renovierungsprotokolle, Fotos von früheren Arbeiten
  • Rechnungen/Angebote von Elektriker:innen
  • Prüfprotokolle (E-Check, Anlagenbefund, Messprotokolle)
  • Baujahr und größere Sanierungen (z. B. Bad 2005, Küche 2018)

Tipp: Notieren Sie, welche Räume modernisiert wurden. Häufig ist z. B. die Küche „neu“, während Schlaf- und Wohnzimmer noch alte Stromkreise nutzen.

Schritt 2: Verteilerkasten & Stromkreise grob einordnen (ohne Öffnen)

Auch ohne den Verteiler zu öffnen, können Sie wichtige Informationen erkennen:

  • Gibt es FI/RCD-Schalter? Sind sie beschriftet (Bad, Küche, Steckdosen)?
  • Wie viele Stromkreise gibt es ungefähr?
  • Ist die Beschriftung nachvollziehbar oder „wild“?
  • Gibt es Reserveplätze für Erweiterungen?
  • Wirkt alles sauber, oder sehen Sie Verfärbungen/Schmorstellen am Gehäuse?

Wenn Sie noch Schraubsicherungen haben, ist das nicht automatisch schlecht, aber ein Hinweis, dass die Anlage möglicherweise älter ist und eine Prüfung besonders sinnvoll ist.

Schritt 3: Sichtprüfung in den Räumen – die häufigsten Warnsignale

Gehen Sie Raum für Raum durch und achten Sie auf:

  • Wackelige Steckdosen, lockere Schalter, gebrochene Abdeckungen
  • Verfärbungen oder Brandspuren an Steckdosen/Mehrfachleisten
  • Wärme an Steckern/Steckdosen bei normaler Nutzung
  • Knistergeräusche, Geruch nach „verschmortem Plastik“
  • Viele Adapter und Mehrfachsteckdosen als Dauerlösung
  • Feuchtigkeit in Bad/Keller, Steckdosen nahe Wasserquellen

Ein einzelnes Symptom muss nichts Dramatisches bedeuten. Häufen sich Auffälligkeiten, ist das ein starkes Indiz für Überlastung oder Kontaktprobleme.

Schritt 4: Funktionschecks, die ohne Fachwissen möglich sind

Diese einfachen Tests sind relativ sicher – solange Sie dabei nichts öffnen und keine blanken Teile berühren:

  • FI/RCD-Testtaste: Falls vorhanden, drücken Sie die Testtaste. Der RCD sollte sofort abschalten. Danach wieder einschalten. (Wenn er nicht auslöst: Elektriker rufen.)
  • Lichtflackern bei Lastwechsel: Wenn beim Einschalten von Wasserkocher/Staubsauger das Licht deutlich dimmt, kann das auf schwache Leitungen, schlechte Kontakte oder ungünstige Stromkreisaufteilung hindeuten.
  • Sicherungs-Auslösungen beobachten: Welche Geräte-Kombinationen führen zum Auslösen? Das zeigt Überlastung oder falsche Absicherung.

Wichtig: Der RCD-Test ersetzt keine Messung. Er prüft nur die Auslösemechanik, nicht Auslösezeit und tatsächlichen Fehlerstrom.

Schritt 5: Professionelle Messung (E-Check/Anlagenprüfung) beauftragen

Wenn es um Sicherheit geht, führt an Messungen kein Weg vorbei. Eine Elektrofachkraft kann u. a. prüfen:

  • Schleifenimpedanz und Abschaltbedingungen (ob Schutzorgane im Fehlerfall schnell genug auslösen)
  • Isolationswiderstand (Leitungszustand, Feuchtigkeitsschäden)
  • RCD-Prüfung (Auslösestrom, Auslösezeit)
  • Durchgängigkeit des Schutzleiters (PE)
  • Spannungsfall bei langen Leitungen
  • Thermografie (optional) zur Erkennung heißer Klemmen/Überlast

Für Deutschland ist der Begriff E-Check verbreitet, in Österreich oft Elektrobefund/Anlagenbefund (je nach Kontext). Fragen Sie nach einem Messprotokoll, das die Ergebnisse nachvollziehbar dokumentiert.

Die häufigsten Problemfelder im Altbau – und was sie bedeuten

Beim Thema „Elektroinstallation im Altbau prüfen“ stoßen Fachleute immer wieder auf ähnliche Muster. Wenn Sie diese kennen, können Sie Risiken besser einordnen und Sanierungen gezielt planen.

1) Fehlender oder unzureichender FI/RCD-Schutz

Ein FI/RCD kann Leben retten – insbesondere in Feuchträumen und bei Steckdosenkreisen. In älteren Anlagen fehlt er oft vollständig oder ist nur für einzelne Bereiche vorhanden.

  • Risiko: Stromunfälle, insbesondere bei Körperschluss (defektes Gerät) oder feuchten Umgebungen.
  • Praxis: Moderne Konzepte setzen häufig mehrere RCDs ein (Aufteilung nach Bereichen), damit nicht „die ganze Wohnung“ dunkel wird.

2) Klassische Nullung / fehlender Schutzleiter

In manchen Altbau-Installationen wurden Schutz- und Neutralleiter kombiniert (PEN) oder es fehlt ein separater Schutzleiter an Steckdosen. Das ist aus heutiger Sicht kritisch.

  • Risiko: Im Fehlerfall können berührbare Metallteile unter Spannung stehen.
  • Hinweis: Ob ein Schutzleiter tatsächlich vorhanden und durchgängig ist, lässt sich zuverlässig nur messen.

3) Überlastete Stromkreise in Küche und Bad

Altbau-Küchen wurden oft für Kühlschrank und Licht geplant – nicht für Backofen, Geschirrspüler, Mikrowelle, Wasserkocher und Induktion gleichzeitig. Im Bad kommen heute Föhn, Waschmaschine, Trockner oder Durchlauferhitzer dazu.

  • Risiko: Auslösende Sicherungen, Erwärmung von Leitungen/Klemmen, Brandgefahr.
  • Lösung: Mehr getrennte Stromkreise, passende Leitungsquerschnitte, eigene Absicherung für Großverbraucher.

4) Veraltete Leitungen und spröde Isolation

Stoffummantelungen oder alte Gummi-/PVC-Isolation können mit der Zeit verhärten und reißen – besonders in warmen Bereichen oder in Installationsrohren mit Zugbelastung.

  • Risiko: Kurzschlüsse, Erdschlüsse, Isolationsfehler.
  • Erkennbar: Oft erst bei Öffnung von Dosen/Verteilern – daher Aufgabe für Fachbetriebe.

5) Murks durch viele Teilmodernisierungen

Typisch ist ein „Patchwork“: Neue Steckdosen im Wohnzimmer, aber alte Abzweigdosen; neuer Sicherungskasten, aber alte Steigleitungen. Das kann funktionieren, aber Übergänge sind kritisch.

  • Risiko: Mischklemmen, unklare Schutzkonzepte, schlechte Dokumentation.
  • Lösung: Stromkreisplan erstellen, Zustand der Leitungswege bewerten, kritische Strecken priorisieren.

Checkliste: Ihre Elektroanlage im Alltag bewerten (ohne Messgeräte)

Diese Punkte helfen, eine erste Risikoeinschätzung vorzunehmen – besonders nützlich für Eigentümer:innen vor einer Sanierung oder für Mieter:innen bei Wohnungsbesichtigungen.

Kurzer Selbstcheck

  • RCD vorhanden? Ja/Nein/Unklar
  • Anzahl Steckdosen pro Raum ausreichend oder dauerhaft Mehrfachleisten?
  • Separate Absicherung für Herd/Backofen/Waschmaschine?
  • Wiederkehrende Sicherungs-Auslösungen im Alltag?
  • Wärme/Verfärbungen an Steckdosen/Steckern?
  • Brummende Geräusche oder auffälliger Geruch im Bereich Verteiler?
  • Feuchträume (Bad/Keller) wirken elektrotechnisch modernisiert?

Wann Sie sofort handeln sollten

  • Schmorgeruch, knisternde Steckdosen oder sichtbare Brandspuren
  • Sicherungen lösen häufig ohne erkennbaren Grund aus
  • Steckdosen werden heiß oder Stecker sitzen locker
  • FI löst aus und lässt sich nicht stabil wieder einschalten

In diesen Fällen: betroffene Stromkreise (sofern möglich) abschalten und umgehend eine Fachkraft kontaktieren.

Altbau modernisieren – aber wie viel ist genug?

Die zentrale Frage lautet oft: Reicht eine Teilsanierung oder muss alles neu? Die Antwort hängt von Zustand, Nutzung und Zukunftsplänen ab. Ein kluger Ansatz ist, Maßnahmen in Sicherheits-, Komfort- und Zukunfts-Upgrades zu unterteilen.

1) Sicherheits-Upgrades (hohe Priorität)

  • FI/RCD nachrüsten (idealerweise mehrere, sinnvoll aufgeteilt)
  • Schutzleiterkonzept herstellen (wo nötig Leitungen erneuern)
  • Erneuerung kritischer Leitungsabschnitte (spröde Isolation, beschädigte Leitungen)
  • Überspannungsschutz (v. a. bei PV, empfindlicher Elektronik, ländlichen Gegenden mit Freileitungen)
  • Brandschutz: saubere Klemmen, geeignete Geräte/Komponenten, ggf. AFDD (Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung) nach individueller Risikobewertung

2) Komfort-Upgrades (mittlere Priorität)

  • Mehr Steckdosen, bessere Platzierung (z. B. Medienwand, Homeoffice)
  • Mehr Stromkreise (Küche, Bad, Büro getrennt)
  • Optimierte Beleuchtung (z. B. LED, dimmbar, Bewegungsmelder im Flur/Keller)

3) Zukunfts-Upgrades (wenn PV, Wallbox oder Wärmepumpe geplant sind)

  • Leerrohre und Reservekapazitäten im Verteiler
  • Vorbereitung für Wallbox (eigener Stromkreis, Lastmanagement-Option)
  • Vorbereitung für Photovoltaik (Platz für Schutzgeräte, Überspannungsschutz, Zählerkonzept)
  • Netzwerk/Kommunikation (strukturierte Verkabelung, Technikplatz)

Fokus Küche: Der häufigste Überlast-Hotspot im Altbau

In Deutschland und Österreich ist die Küche oft der Raum, in dem Altbau-Elektrik zuerst an Grenzen kommt. Moderne Küchen haben mehrere leistungsstarke Verbraucher, teils parallel über längere Zeit.

Typische Leistungsfresser

  • Backofen und Kochfeld (separat oder kombiniert)
  • Geschirrspüler
  • Mikrowelle
  • Wasserkocher/Kaffeemaschine
  • Kühlschrank/Gefrierschrank

Praxisempfehlung: Lassen Sie prüfen, ob genügend getrennte Stromkreise vorhanden sind und ob Leitungsquerschnitte und Absicherungen zur Nutzung passen. Gerade bei Induktion und Backofen lohnt eine saubere Planung.

Fokus Bad und Keller: Feuchtigkeit erhöht das Risiko

Feuchträume stellen besondere Anforderungen an Schutzmaßnahmen. In Altbauten wurden Bäder häufig modernisiert, aber nicht immer elektrotechnisch konsequent. Im Keller kommen zusätzliche Faktoren wie Kondenswasser, Waschgeräte und alte Leitungswege hinzu.

Worauf Sie achten sollten

  • RCD-Schutz für Bad-Stromkreise
  • Steckdosen und Schalter in ausreichendem Abstand zu Wasser
  • Keine „fliegenden“ Verlängerungen für Waschmaschine/Trockner
  • Gute Beleuchtung und sichere Installationswege (keine beschädigten Aufputzleitungen)

Smart Home im Altbau: sinnvoll, aber nur auf sicherer Basis

Viele Eigentümer:innen möchten im Altbau smarte Thermostate, Lichtsteuerung oder Energiemonitoring nachrüsten. Das ist möglich – allerdings sollte die Basis stimmen: stabile Stromkreise, funktionierender Schutzleiter, sauberer Verteiler.

Sinnvolle Smart-Home-Ansätze für Altbauten

  • Funkbasierte Lösungen (z. B. für Licht/Heizung) mit minimalem Eingriff
  • Energiemessung im Verteiler (durch Fachkraft) zur Lastanalyse
  • Smarter Überspannungsschutz bzw. Monitoring für kritische Verbraucher

Hinweis: Bei instabiler Elektrik kann Smart Home Symptome „kaschieren“, aber keine grundlegenden Sicherheitsmängel lösen.

Wallbox, Wärmepumpe, PV: Zukunftsfähigkeit richtig vorbereiten

In Deutschland und Österreich steigt der Anteil elektrischer Großverbraucher. Wer heute saniert, sollte diese Themen zumindest mitdenken – auch wenn die Anschaffung erst später kommt.

Wallbox: Was Altbauten oft unterschätzen

  • Eigener Stromkreis und geeignete Absicherung
  • Leitungsweg vom Verteiler zur Garage/Stellplatz (Länge, Querschnitt, Spannungsfall)
  • Lastmanagement, wenn Hausanschluss begrenzt ist
  • RCD/Schutzeinrichtungen passend zur Wallbox (Herstelleranforderungen beachten)

Wärmepumpe: Dauerlast und Anlaufströme

Wärmepumpen laufen viele Stunden und sind kein „gelegentlicher“ Verbraucher. Eine Altbau-Anlage braucht dafür:

  • ausreichende Hausanschlussleistung (Netzbetreiber/Verteilnetzbetreiber beachten)
  • klare Stromkreisstruktur und Platz im Verteiler
  • saubere Erdung und Überspannungsschutz (auch wegen Außeneinheiten)

Photovoltaik & Speicher: Überspannung und Zählerkonzept

PV bringt zusätzliche Komponenten (Wechselrichter, Schutzgeräte, ggf. Speicher). In Altbauten ist oft der Zählerplatz ein Engpass. Planen Sie mit Fachbetrieben:

  • Platzreserven im Zählerschrank/Verteiler
  • Überspannungsschutz (AC/DC je nach Anlage)
  • saubere Leitungsführung, Kennzeichnung und Dokumentation

Kosten, Aufwand, Prioritäten: Wie Sie eine Sanierung klug planen

Die Kosten variieren stark nach Region (z. B. Ballungsräume in Deutschland/Österreich), Gebäudezustand, Zugänglichkeit der Leitungswege und gewünschtem Ausstattungsniveau. Sinnvoll ist eine Planung in Etappen.

Ein praxistaugliches Prioritätenmodell

  • Stufe 1 (sofort): Gefahrenstellen beseitigen, RCD-Konzept prüfen/nachrüsten, kritische Leitungen erneuern
  • Stufe 2 (bald): Küche/Bad elektrisch auf aktuellen Bedarf bringen, mehr Stromkreise, mehr Steckdosen
  • Stufe 3 (strategisch): Vorbereitung für PV/Wallbox/Wärmepumpe, Leerrohre, Netzwerk, Reserven

So holen Sie bessere Angebote ein

  • Fordern Sie eine Vor-Ort-Besichtigung und ein schriftliches Konzept
  • Bitten Sie um Stromkreisplan und Dokumentation der Änderungen
  • Definieren Sie Nutzungsszenarien (Homeoffice, E-Auto, Induktion, Klimagerät)
  • Vergleichen Sie nicht nur den Preis, sondern auch Schutzkonzept und Zukunftsreserven

Häufige Irrtümer beim Prüfen und Modernisieren

„Wenn kein FI da ist, ist das bestimmt verboten“

Nicht jede ältere Anlage ist automatisch unzulässig. Aber: Sicherheit und heutige Nutzung können eine Nachrüstung dringend erforderlich machen – besonders bei Erweiterungen oder erkennbaren Mängeln.

„Ein Steckdosen-Tester aus dem Baumarkt reicht“

Solche Tester können Hinweise geben, ersetzen aber keine professionelle Messung (Schleifenimpedanz, RCD-Zeit, Isolationsprüfung). Für eine echte Beurteilung ist ein Messprotokoll entscheidend.

„Mehrfachsteckdosen sind okay, solange nichts auslöst“

Viele Mehrfachleisten sind nicht für hohe Dauerlasten ausgelegt. Außerdem entstehen zusätzliche Kontaktstellen – und damit potenzielle Wärmequellen. Besser: ausreichend fest installierte Steckdosen und getrennte Stromkreise.

Praxisbeispiel: Altbauwohnung mit „modernisierter“ Küche

Eine typische Situation: Die Küche wurde neu gemacht, inklusive neuer Steckdosen. Im Verteiler gibt es aber nur wenige Stromkreise, und die Leitungswege stammen teils aus dem Bestand.

  • Symptom: Sicherung fällt, wenn Geschirrspüler und Wasserkocher gleichzeitig laufen.
  • Ursache: Zu viele Verbraucher auf einem Stromkreis, eventuell ungünstige Absicherung/Leitungsquerschnitt.
  • Maßnahme: Zusätzliche Stromkreise für Küche, separate Absicherung für Großgeräte, RCD-Konzept aktualisieren, Messung der Abschaltbedingungen.

Das Beispiel zeigt: Eine „optische“ Modernisierung ersetzt keine elektrische Planung.

Dokumentation: Ihr unterschätzter Sicherheits- und Wertfaktor

Eine gut dokumentierte Elektroanlage ist nicht nur sicherer, sondern steigert auch den Immobilienwert und erleichtert spätere Erweiterungen. Bestehen Sie nach Arbeiten auf:

  • Stromkreis- und Verteilerbeschriftung
  • Messprotokollen und Prüfberichten
  • Fotos der Leitungswege (vor dem Schließen von Wänden)
  • Liste verbaute Komponenten (RCD-Typen, LS-Schalter, Überspannungsschutz)

Fazit: Altbau-Check mit Zukunft – sicher, planbar, wertsteigernd

Wer seine Elektroinstallation im Altbau prüfen möchte, sollte strukturiert vorgehen: Erst beobachten und dokumentieren, dann gezielt durch eine Fachkraft messen lassen und anschließend Prioritäten setzen. Besonders wichtig sind FI/RCD-Schutz, ein stimmiges Schutzleiterkonzept, ausreichend dimensionierte Stromkreise (vor allem in Küche und Bad) sowie eine Planung, die Themen wie Wallbox, Wärmepumpe oder Photovoltaik berücksichtigt. So bleibt der Altbau nicht nur charmant, sondern wird auch sicher, zuverlässig und zukunftsfähig.

FAQ: Häufige Fragen aus Deutschland und Österreich

Wie erkenne ich, ob ein FI/RCD vorhanden ist?

Meist sitzt er im Verteilerkasten und hat eine Testtaste („T“) sowie eine Kennzeichnung wie „FI“ oder „RCD“ mit einem Bemessungsfehlerstrom (z. B. 30 mA). Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie es prüfen – gerade in Altbauten.

Reicht es, nur den Sicherungskasten zu erneuern?

Ein neuer Verteiler kann sinnvoll sein (Platz, Ordnung, Schutzgeräte). Wenn jedoch Leitungen, Schutzleiter oder Stromkreisaufteilung veraltet sind, löst ein neuer Kasten allein die Probleme nicht. Entscheidend ist das Gesamtsystem.

Was ist der wichtigste erste Schritt vor einer Altbausanierung?

Eine professionelle Prüfung mit Messungen und ein klares Konzept für Stromkreise, Schutzmaßnahmen und zukünftige Verbraucher. Das vermeidet teure Nacharbeiten.

Ich wohne zur Miete – was kann ich tun?

Dokumentieren Sie Auffälligkeiten (z. B. heiße Steckdosen, häufige Auslösungen) und informieren Sie die Vermieterseite schriftlich. Bei konkreter Gefahr sollten Sie eine sofortige Überprüfung verlangen. Änderungen an der Anlage sollten nur durch Fachbetriebe erfolgen.